Elektromobilität in Deutschland – Zukunftssicher oder Träumerei?

Till Pörtner

Till Pörtner

Zehn Jahre liegen zwischen den Jahren 2012 und 2022. Zehn Jahre, in denen das Interesse am Thema Elektromobilität und die damit verbundene Anzahl an Elektroautos in Deutschland um mehr als 100% gestiegen ist. Während sich 2012 noch 4500 Elektroautos in deutschen Garagen befanden, erreicht die Zahl dieses Jahr ein Rekordhoch von knapp 620.000 reinen Elektroautos. Ein rasanter Anstieg, der aus Sicht der Bundesregierung allerdings noch weit unter den geplanten 15. Mio. liegt, die bis zum Jahr 2030 auf deutschen Straßen fahren sollen. Das grundlegende Interesse an der Anschaffung eines Elektroautos soll zunächst erst einmal durch verschiedene Förderprogramme vorangetrieben werden. Das wohl bekannteste ist in diesem Zug das Förderprogramm der KFW, das allerdings bereits letztes Jahr ausgelaufen ist. Nun können sich Elektroautobesitzer über ein weiteres freuen. Die Treibhausgasprämie, kurz THG-Prämie hat es sich zum Ziel gesetzt, klimaschädliche Gase wie CO2 zu reduzieren. Durch die Vergabe sogenannter THG-Zertifikate für Elektroautobesitzer, die wiederum zu Geld gemacht werden können, erhofft man sich einen Anstieg der Neukäufe von Elektroautos. 

Sind solche Maßnahmen nur ein Tropfen auf den heißen Stein oder ein realistisches Vorgehen, um das Ziel von 15. Mio. Elektroautos bis 2030 zu erreichen? Eine Frage die sich aktuell viele stellen.

Derzeit liegt die Anzahl der Neuzulassungen bei knapp 14 % reinen Elektroautos und bei knapp 12 % Hybridfahrzeugen. Innerhalb von nur 8 Jahren soll diese Zahl auf 90% ansteigen. Funktioniert das? Meine Antwort lautet, ja: Doch nur so lange eine entsprechende Infrastruktur dies auch gewährleistet. Obwohl heute knapp über 50% der Deutschen die Anschaffung eines Elektroautos in Betracht ziehen, sind sich im Umkehrschluss zu viele noch unsicher. „Kompliziert“ und „aufwändig“ sind nur zwei Stichwörter, die viele derzeit noch zögern lassen. Und das nicht zu Unrecht. Wirft man einen Blick auf die Anzahl der öffentlichen Ladestationen in Deutschland, wird klar, dass hier noch viel getan werden muss, bis das Ziel der Regierung realisierbar ist.

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Eine Alternative ist das Laden zu Hause. Dort wo das Auto die meiste Zeit unbenutzt in der Garage steht. Viele Eigenheimbesitzer haben sich dazu bereits einen Ladepunkt inklusive Wallbox installieren lassen. Doch auch hier hakt es aktuell. Lieferengpässe und lange Wartezeiten der Ladehardware sind die Folge. Hinzukommt das 2021 verabschiedete GEIG oder genauer gesagt, das Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz, welches Mietern in Mehrfamilienhäusern nun das Recht auf eine eigene Ladestation in der Tiefgarage ihres Mehrfamilienhauses erlaubt. Der Anspruch das Elektroauto zu Hause zu laden wächst also rasant an. Doch Wallbox ist nicht gleich Wallbox. Zahlreiche Anbieter haben sich bereits auf dem Markt versammeln, doch nur wenige bieten auch wirklich nachhaltige Lösungen an. Nachhaltigkeit bedeutet in diesem Sinne vor allem eine Grundladeinfrastruktur im Rahmen eines sogenannten Lastmanagementsystems zu gewährleisten. Unter einer Ladeinfrastruktur versteht man zum einen die Installation verschiedener Ladepunkte, aber auch die Elektrifizierung dieser Ladepunkten. Solche, die zwar vorbereitet-, jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt in Betrieb genommen werden. Ein System, über das sich viele Bauunternehmen zunächst ärgern. Denn seit 2021 ist es vor allem bei Neubauten Pflicht, für die Ladeinfrastruktur vorzusorgen und auf jedem Stellplatz einen Ladepunkt vorzubereiten. Eine solche Ladeinfrastruktur funktioniert allerdings nur dann reibungslos, wenn ein Lastmanagement der Wallboxen gewährleistet wird. Besonders intelligente Anbieter für Wallboxen, wie der skandinavische Hersteller easee spezialisieren sich genau darauf. Easee ermöglicht mit einer Reihenschaltung der Wallboxen das gleichzeitige Laden aller Elektroautos einer Tiefgarage und damit die Aufteilung des Stroms ohne Überlastung der Stromversorgung. Eine Ladeinfrastruktur macht vor allem dann Sinn, wenn man spätere Zusatzkosten sowie einen zeitlichen Mehraufwand für spätere Nachrüstarbeiten verhindern will. Das ist inzwischen vielen Akteuren der Bau- und Immobilienbranche klar geworden. An Nachfragern mangelt es demzufolge nicht. Der Knackpunkt besteht jedoch im Zusammenschluss des Angebots und der Nachfrage, da verschiedene Akteure im Prozess involviert sind. Zum einen benötigt es erfahrene Installateure, die sich um das Legen der Leitungen kümmern. Ein Softwarebetreiber darf allerdings auch nicht fehlen. Schließlich muss die Wallbox betrieben und abgerechnet werden.

Sie sehen: Das Thema Elektromobilität ist kein kurzer Hype, sondern ein Thema, dass uns noch in naher und ferner Zukunft beschäftigen wird. Ein Thema, das nicht nur aus Gründen des Kilmaschutzes eine wichtige Rolle spielt, sondern jeden einzelnen früher oder später betreffen wird.